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Der Verein Elektronische FallAkte e.V. entwickelt mit dem Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) das Konzept „EFA in a box“. Damit können Kliniken und niedergelassene Ärzte ihre Systeme künftig leichter EFA-fähig machen. Der Einstieg in die FallAkten-Nutzung ist mit deutlich niedrigerem Aufwand schrittweise möglich; vorhandene IT-Systeme können in der Regel unverändert weiter genutzt werden. Für die EFA-Anbindung stehen künftig spezielle Schnittstellen (so genannte EFA-Stecker)  zur Verfügung. Erste anwendungsreife Lösungen sind für Herbst 2011 angekündigt.

Die Elektronische FallAkte hat sich als IT-Standard für die datenschutzgerechte Arzt-Arzt-Kommunikation über Einrichtungs- und Sektorgrenzen hinweg bewährt. Allerdings setzt das Konzept bisher auf die „tiefe Integration“ des EFA-Standards in die Primärsysteme von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. „Viele Kliniken wünschen sich aber für den EFA-Einstieg Lösungen, die sie unkompliziert in ihre vorhandene IT-Infrastruktur einbinden können“, sagt Volker Lowitsch, 1. Vorsitzender des Vereins Elektronische FallAkte e.V. „Genau da setzen wir mit ‚EFA in a Box’ an. Das neue Konzept verbindet die Stärke des EFA-Standards, der Sicherheits- und Anwendungsfunktionen konsequent trennt, mit dem Bedürfnis der Kliniken nach Investitionsschutz ihrer vorhandenen Systeme.“

Kliniken arbeiten in der Regel heute mit Systemen verschiedener Hersteller, die über eine Systemintegration zusammengeführt werden. Auf diese Weise soll sich künftig auch EFA integrieren lassen: Die verschiedenen Kommunikationsfunktionen, die für den Austausch elektronischer FallAkten nötig sind, werden dazu in einem eigenen Kommunikationsmodul zusammengefasst – der „EFA Box“. Der Datenaustausch mit den Primärsystemen läuft hierbei über schmale Schnittstellen, so genannte „EFA-Stecker“.

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Das neue Konzept macht es Kliniken und Versorgungsnetzen deutlich leichter, neue EFA-Projekte auf den Weg zu bringen. Weil für die EFA-Einbindung nicht mehr das gesamte Klinikinformationssystem modifiziert werden muss, können Pilotprojekte und kleinere Vorhaben unkompliziert auch in einzelnen Fachabteilungen starten. Investitionsaufwand und Risiken der Umstellung werden somit reduziert.

Vernetzung mit internationalen Standards
„EFA in a Box“ zielt zudem stärker auf die Kooperation mit international anerkannten Standards im Gesundheitswesen, wie etwa IHE (Integrating the Healthcare Enterprise). „IHE-Profile werden von vielen Herstellern für ihre Systeme genutzt“, erläutert Dr. Wolfgang Deiters vom Fraunhofer ISST: „Auch von vielen Kliniken wird zunehmend IHE-Kompatibilität gefordert“. Aus diesem Grund soll die EFA-Box mit einer IHE kompatiblen Schnittstelle ausgestattet werden: dem EFA-XDS-Stecker.

Die Spezifikationen für die neuen EFA Schnittstellen („Stecker“) werden als Erweiterung des EFA-Release 1.2 offengelegt und können wie diese lizenzfrei von allen genutzt werden. Auf dieser Basis können Hersteller ihre Systeme bzw. Systemkomponenten anpassen und so „EFA ready“ machen. Fraunhofer ISST will selbst eine Musterlösung für EFA-Pilotprojekte entwickeln und verfügbar machen. Erste Hersteller haben ebenfalls „EFA in a Box“-Module angekündigt.

Zukunftssicher durch Integration
„EFA in a Box“ hat nach Einschätzung der IT-Experten das Potenzial, perspektivisch den Markt für Healthcare-IT zu verändern: „Diese Strategie hat den Vorteil, dass EFA-Schnittstellen und –Dienste nicht mehr ausschließlich in die Systeme der Klinik-IT-Anbieter integriert werden müssen, sondern alternativ auch über Adapter und/oder Kommunikations­server angebunden werden können, die auch von Systemintegratoren oder Infrastrukturanbietern umgesetzt bzw. angepasst werden können“, so Dr. Jörg Caumanns vom Fraunhofer ISST.

„Dieses Marktsegment ist durch eine große Vielfalt der Anbieter gekennzeichnet und entsprechend flexibel.“ Caumanns ist zudem davon überzeugt, dass EFA dank dieses Konzeptes auch das Potential hat, sich auf dem europäischen Gesundheitsmarkt durchzusetzen: „Der Bedarf nach Integration ist da, der EFA-Standard erfüllt die Anforderungen und auch die Migration in künftige Telematik-Infrastrukturen ist gesichert.“ Weil sämtliche bislang entwickelten Lösungen und Spezifikationen aufwärtskompatibel sind, profitieren auch die Kliniken, Versorgungsnetze und niedergelassenen Ärzte sowie Hersteller, die bereits heute den EFA-Standard nutzen, von den aktuellen und künftigen Weiterentwicklungen.

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