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Jedes Jahr zur Pollenflugsaison erleben rund 12 Millionen Deutsche durch eine über­schießende Reaktion des Immunsystems auf Pollen erhebliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität. Sobald die Pollen, von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, aber auch Getreide und Kräutern, mit den Schleimhäuten in der Nase oder am Auge in Berührung kommen, wird bei entsprechend sensibilisierten Allergikern die allergische Reaktion des Körpers ausgelöst. Die Folge: Geschwollene Schleimhäute, Fließschnupfen, Niesen, Rötungen und Juckreiz der Augen.

Hyposensibilisierung

Entzündungshemmende Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison können nur kurzfristig Symptom-Linderung verschaffen. „Eine Hyposensibilisierung mit den auslösenden Allergenen ist die einzige Behandlungsmethode, die an der Ursache ansetzt“, so Privatdozentin Dr. Kristine Breuer vom Dermatologikum Hamburg. Dabei setzt die Allergologin auch auf die sogenannte Kurzzeit-Hyposensibilisierung – die ist noch bis wenige Wochen vor der Pollenflugsaison möglich. „Die Behandlung umfasst wenige Injektionen, mit denen das Allergen in steigenden Dosen verabreicht wird. Das reduziert die Beschwerden der Betroffenen meist bereits in der ersten Pollensaison deutlich“, erklärt Dr. Kristine Breuer. Besonders zeitlich eingebundene Menschen profitieren von dieser Behandlungsmethode, die in drei aufeinander folgenden Jahren wiederholt werden sollte.

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Eine rasante Zunahme der Allergie-Disposition ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Bereits bis zu 15 Prozent aller Jugendlichen leiden unter Heuschnupfen. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie werden nur zehn Prozent der betroffenen Patienten therapiert. Mit der Folge, dass die Erkrankung meist fortschreitet. Häufig entwickeln Patienten mit einem unbehandelten Heuschnupfen im weiteren Verlauf ein allergisches Asthma. Diese Tendenz beobachtet auch Dr. Kristine Breuer und warnt vor dem sogenannten Etagenwechsel: „Aus einem Heuschnupfen entsteht häufig ein allergisches Asthma. Mit Hilfe der Hyposensibilisierung kann diese Entwicklung in vielen Fällen verhindert werden.“

Subkutane und Sublinguale Immuntherapie

Um dem sogenannten Etagenwechsel präventiv zu begegnen, setzt das Allergologen-Team von Europas größter Hautarztpraxis neben der subkutanen Immuntherapie (Behandlung mit Injektionen) auf die sublinguale Immuntherapie. Statt in Spritzenform wird das Allergen als Tablette oder Lösung unter der Zunge verabreicht und so über die Mundschleimhaut aufgenommen. Diese Therapie kann noch zu Beginn oder während der Pollensaison begonnen werden. Neuere Untersuchungsergebnisse zeigen, dass auch die sublinguale Immuntherapie noch über das Therapieende hinaus wirksam ist. Bei der Auswahl des Präparates für die spezifische Immuntherapie muss darauf geachtet werden, dass die Wirksamkeit in klinischen Untersuchungen geprüft wurde.
Dies trifft nicht für alle auf dem Markt erhältlichen Präparate zu. Die spezifische Immuntherapie sollte daher immer von einem in der spezifischen Immuntherapie erfahrenen Allergologen durchgeführt werden.

Molekulare Allergiediagnostik

Eine zunehmende Bedeutung gewinnt derzeit auch die sogenannte molekulare Allergiediagnostik. „Allergene Nahrungsmittel und luftgetragene Allergene wie Pollen beinhalten in aller Regel nicht nur ein einziges Allergen, sondern eine Vielzahl an Allergenen“, erklärt Dr. Kristine Breuer. „Allergiker sind aber meist nur auf ein einzelnes Allergen oder wenige Allergene einer Allergenquelle allergisch. Während bei herkömmlichen Allergietestungen nicht bestimmt werden kann, auf welche Allergenkomponenten der Patient allergisch reagiert, gelingt dies mit neuen Verfahren.“ Auf diese Weise ist es möglich, das Risiko schwerer allergischer Reaktionen auf Nahrungsmittel vorherzusagen, Kreuzreaktionen zwischen unterschiedlichen Allergenquellen zu bestimmen und die Erfolgschancen einer Hyposensibilisierung abzuschätzen. Mit Hilfe der Biochip-Technologie und weniger als einem Milliliter Blut können mehr als 100 Einzelallergene auf einmal überprüft werden. Besonders Allergiepatienten, bei denen die Ursache ihrer allergischen Reaktion bisher unklar war, profitieren von diesem neuen Verfahren.

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