Eine Analyse der Berichterstattung über das Thema Nanotechnologie in deutschen Printmedien war Gegenstand eines Forschungsprojektes des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Ergebnis: Über Nanotechnologie wird nicht als Risikotechnologie berichtet, sondern es werden in den meisten Artikeln die Vorteile der neuen Technologie hervorgehoben.

„Die überwiegend positive Berichterstattung in den Medien spiegelt das positive Image wider, das die Nanotechnologie derzeit in der Bevölkerung genießt“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. So hatten bereits zwei vorhergehende wissenschaftliche Untersuchungen des BfR gezeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland vor allem Vorteile im Einsatz von Nanotechnologien sehen. Betont wurde zum Beispiel der Nutzen in der Medizin und in Alltagsprodukten wie Reinigungsmitteln. Skeptisch sind Verbraucher hingegen, wenn Nanopartikel in Lebensmitteln eingesetzt werden sollen. Die Abschlussberichte der drei Forschungsprojekte sind jetzt in der institutseigenen Reihe „BfR-Wissenschaft“ erschienen. Sie können beim BfR bestellt werden und stehen im Internet kostenfrei zur Verfügung.

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Unter dem Titel „Risikowahrnehmung beim Thema Nanotechnologie. Analyse der Medienberichterstattung“ (BfR-Wissenschaft 07/2008) hat das BfR die erste umfassende Erhebung zur Berichterstattung über das Thema Nanotechnologie in führenden deutschen Printmedien veröffentlicht. Kooperationspartner der Studie war das Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster. Von 2000 bis 2007 wurden dazu 1696 Artikel aus neun Zeitungen und Zeitschriften analysiert. Die Analyse zeigt, dass Nanotechnologie in deutschen Printmedien derzeit wenig kontrovers diskutiert wird. 70 Prozent der untersuchten Artikel betonen vor allem die positiven Seiten nanotechnologischer Produkte und Verfahren. So wird hauptsächlich über Anwendungsmöglichkeiten von Nanotechnologien in der Medizin und in der Informations- und Kommunikationstechnik, mögliche Umsatzsteigerungen und neue Arbeitsplätze durch die Entwicklung nanotechnologischer Produkte und Verfahren berichtet. Die Artikel beleuchten überwiegend wissenschaftliche und ökonomische Aspekte. Die Akteure, die zu Wort kommen, sind dementsprechend vor allem Vertreter wissenschaftlicher Einrichtungen und von Wirtschaftsunternehmen. Politik und Nichtregierungsorganisationen spielen beim Thema Nanotechnologie in der medialen Berichterstattung hingegen bislang nur eine Nebenrolle.

Printmedien sind für Verbraucherinnen und Verbraucher nach dem Fernsehen die wichtigste Informationsquelle. Das gilt auch, wenn es um Informationen über Nanotechnologie geht, wie die BfR-Studie „Wahrnehmung der Nanotechnologie in der Bevölkerung. Repräsentativerhebung und morphologisch-psychologische Grundlagenstudie“ (BfR-Wissenschaft 05/2008) bestätigt. Die positive Berichterstattung in den Medien spiegelt sich in der Einstellung der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber Nanotechnologien offenbar wider. Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich Vorteile durch Nanotechnologien, zum Beispiel bei Reinigungsmitteln oder Lacken mit Nanopartikeln, erhoffen und daher der Anwendung überwiegend positiv gegenüberstehen. Skepsis herrscht allerdings gegenüber Nanopartikeln in Lebensmitteln: 84 Prozent der Befragten stehen einem Einsatz in diesem Bereich eher kritisch gegenüber.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer vom BfR im Jahr 2006 ausgerichteten Verbraucherkonferenz zum Thema Nanotechnologie forderten vor allem eine transparente Bewertung möglicher Risiken der Nanotechnologie und eine klare Kennzeichnung von Produkten, die Nanopartikel enthalten. Der Abschlussbericht der Verbraucherkonferenz ist unter dem Titel „BfR-Verbraucherkonferenz Nanotechnologie. Modellprojekt zur Erfassung der Risikowahrnehmung bei Verbrauchern“ (BfR-Wissenschaft 03/2008) erschienen.

 

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