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Von Medizinern und Managern – Die Zukunft deutscher Krankenhäuser

Nachlese zur Veranstaltung der Ruhl Consulting AG Mannheim am 28.6.2012. Unter dem Titel „Von Medizinern und Managern – Die Zukunft deutscher Krankenhäuser“ fand am 28. Juni 2012 eine Veranstaltung mit Impulsvorträgen und einer Podiumsdiskussion namhafter Mediziner und Manager aus dem Gesundheitswesen bei der Ruhl Consulting AG in Mannheim statt.

Früher stand für den praktizierenden Arzt vor allem die Behandlung der Patienten im Vordergrund – mittlerweile werden zunehmend Kompetenzen verlangt, die weit über das Medizinische hinausgehen und über den Erfolg der Klinik sowie das eigene Vorankommen entscheiden können. Welche Konsequenzen hat diese Ökonomisierung des ärztlichen Berufs auf die deutschen Krankenhäuser? Ist der moderne Arzt noch Mediziner oder schon Manager?

Vor diesem Hintergrund diskutierten unter der Moderation von Professor Dr. Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung des Gesundheitswesens, Herr Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, Herr Professor Dr. med. Norbert Roeder, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Münster, Frau Hedwig François-Kettner, Pflegedirektorin der Charité - Universitätsmedizin Berlin und Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit, Herr Reinhard Belling, Geschäftsführer der Vitos GmbH sowie Herr PD Dr. Karl Mischke, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Aachen.

Die Podiumsteilnehmer waren sich darüber einig, dass die Anforderungen an Ärzte aber auch an die anderen Berufsgruppen im Krankenhaus in den letzten Jahren enorm gestiegen sind und insbesondere der Druck seit Einführung des DRG-Systems stark zugenommen hat. In diesem Kontext machte Herr Pföhler deutlich, dass die Krankenhausversorgung einem grundlegenden strukturellen Wandel unterliege. Nur wer wirtschaftlich mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umgeht, wird in der Lage sein, eine qualitativ hochwertige und leistungsfähige medizinische Versorgung für Jedermann anzubieten. Dies erfordert entsprechende strukturelle und organisatorische Anpassungen bei den medizinischen Fachabteilungen. Auch sie müssen in die ökonomische Verantwortung einbezogen werden. Denn: Medizin und Ökonomie sind kein Widerspruch, sondern bedingen einander. Dabei ist und bleibt die ärztliche Therapiefreiheit der wichtigste medizinische Grundsatz, weil unabhängige medizinische Entscheidungen eine wesentliche Voraussetzung für gute Medizin sind.

Bei den aktuellen Diskussionen zu Wirtschaftlichkeit, Führungsthemen, Mitarbeitermotivation und ähnlichem wird jedoch nach Meinung der Referenten einer oft vergessen: der Patient. Professor Roeder gab den Impuls, neben der Frage, was Gutes für die Führungskräfte und Mitarbeiter getan werden kann, wieder stärker die Frage nach dem Wohle des Patienten zu stellen. Darauf aufbauend entwickelte sich eine Diskussion zur Qualität in der Medizin, deren Messbarkeit aber auch ihrer Finanzierbarkeit im heutigen System. Kostensteigerungen werden nicht in gleichem Maße durch Steigerungen im Budget beantwortet. Die Vor- und Nachteile von Qualitätsindikatoren wurden betrachtet. Herr Belling zeigte hier die Schwierigkeiten in der psychiatrischen Behandlung auf, wo man noch ganz am Anfang der Diskussion über sinnhafte Qualitätsindikatoren steht. Gleichzeitig führte er den Maßregelvollzug als ein funktionierendes Beispiel an. Hier wird die Rückfallquote im Verhältnis zu verschiedenen Indikatoren gemessen. Frau François-Kettner stellte die Frage nach der Manipulationsanfälligkeit von Indikatoren und verwies auf Beispiele in Pflegeheimen, die um die eigene Mortalitätsrate zu senken, totkranke Menschen noch in Kliniken überweisen. Insgesamt waren sich die Referenten einig, dass im Zuge immer besser informierter Patienten und transparenzschaffender Medien wie des Internets die Kliniken zukünftig stärker an ihrer Qualitätsleistung gemessen werden und die Medizin gut daran tut, selbst Indikatoren dafür zu bestimmen, bevor es die Zeitschrift Fokus oder andere Massenmedien für sie übernehmen.

Konsens bei den Referenten und den anwesenden Medizinern herrschte darüber, dass noch mehr als die Qualitätsindikatoren (Sterblichkeit, Krankenhausinfektionen etc.) die Eingriffsindikatoren wichtig sind und damit eher ökonomisch motivierte Eingriffe zukünftig überflüssig werden. Die Referenten wiesen in diesem Kontext darauf hin, dass bessere medizinische Leistungen oft weniger Erlöse aber auch deutlich weniger Folgekosten mit sich bringen und damit auch das kurzfristige Denken der CM-Entwicklung in Krankenhäusern nicht unbedingt für Nachhaltigkeit sorgt.

Neben den Qualitätsindikatoren wurden qualitätsstiftende Faktoren im Krankenhaus diskutiert. Herr PD Dr. Mischke schilderte seine Erfahrungen aus der Organisationsentwicklung im Krankenhaus und wie über gezielte Projekte nicht nur die Prozessqualität für die Mitarbeiter sondern auch für die Patienten verbessert werden kann. Haupterfolgsfaktoren für das Gelingen solcher Projekte sind seiner Einschätzung nach das Commitment der Führungsriege und deren Vorbildfunktion in der Umsetzung der definierten Konzepte.

Ebenfalls diskutiert wurden die Verdichtungen bei den Arbeitsleistungen und die Fokussierung auf die Kernkompetenzen in den jeweiligen Berufsgruppen. In diesem Zusammenhang stellte Herr Professor Wille die Frage, ob die Delegation von medizinischen Aufgaben nach dem Vorbild der Schweiz oder anderer europäischer Länder ein Weg für Deutschland sein könnte. Frau François-Kettner berichtete daraufhin von einem Projekt an der Charité, im Rahmen dessen ein Katalog von Aufgaben, die zur Übertragung oder Delegation geeignet sind, verabschiedet wurde. Schwieriger als die Vereinbarung und Übertragung dieser Aufgaben ist jedoch ihrer Erfahrung nach aus vielen Einrichtungen die anschließende Verteilung der Personalbudgets gemäß den neuen Aufgabenprofilen.

Hätte das an dem Tag stattfindende Halbfinale der Deutschen Fußballmannschaft der Diskussion nicht ein natürliches Ende gesetzt, wären sicher noch weitere spannende Themen unter der Einbindung des Publikums diskutiert worden. So fand die Veranstaltung ihren gemütlichen Ausklang bei Bewirtung und der Live-Übertragung des Spiels.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Referenten, Podiumsteilnehmern und Gästen für eine gelungene Veranstaltung und freuen uns, Sie nächstes Jahr wieder begrüßen zu dürfen. Der Termin für unsere nächstjährige Podiumsdiskussion steht bereits fest. Wenn wir Sie neugierig gemacht haben, merken Sie sich den 27.06.2013 vor.


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