Die Managementarbeit in vielen Unternehmen ist durch ein zunehmend problematisches Spannungsfeld gekennzeichnet:
- einerseits ist die Menge der für die Vorbereitung von Entscheidungen verfügbaren Informationen deutlich gestiegen,
- andererseits – und hier liegt das Problem - dauert es immer länger, bis Entscheidungen getroffen werden. Oftmals wird diese schleichende Verlangsamung gar nicht bemerkt, auf Dauer leiden jedoch unternehmerische Flexibilität und Reagibilität hierunter, in der Folge dann die Wettbewerbs- und Ertragsfähigkeit.

Bei der Suche nach den Gründen fällt zunächst auf: statt Projekte zu beschließen und Aktionen zu beginnen, werden viel zu häufig Teams, Arbeits- und Projektgruppen gegründet und beauftragt. Hier wird viel Zeit für Nach- und Überdenken verwendet, für Prüfungen, Abwägungen, Rücksprachen und Abstimmungen, ohne dass im Sinne der zu entschei-denden Sachverhalte Substanzielles geschieht.

Auf diese Weise ersticken Unternehmen die eigene Handlungsfähigkeit in der Entscheidungsvorbereitung. Vielfach hat sich dieses Vorgehen auf allen Hierachie-Ebenen in fest verankerten Verhaltensweisen und Routinen etabliert, die der Kraft von Entscheidungen und ihren Vorteilen entgegenwirken.

Doch der – bei richtigem Einsatz äußertst produktive - Prozeß der Team- und Gruppenbildung verhindert nur vordergründig, dass keine Entscheidungen getroffen werden. Vielmehr ist festzustellen: es gibt zu wenig Entscheider ! Gut die Hälfte der Manager gibt an, Angst vor Entscheidungen zu haben (IFABS Benchmarking-Panel “Management”). Die Ursachen für die Entschei-dungsunwilligkeit sind vielfältig: Überforderung, Unsicherheit, Feh-lervermeidung, Taktieren, Unwissen, die Aufzählung lässt sich beliebig erweitern.

Verstärkt wird diese Haltung noch durch die oben beschriebenen Routinen und ihre Auswirkungen: wer entscheidet, bekommt Probleme, weil die Entscheidungen dem Vorgesetzten nicht ins Konzept passen und / oder wird von den Kollegen geächtet („Kollege X will mal wieder mit dem Kopf durch die Wand!“ oder:“Der macht sich doch nur wieder wichtig!“
Dieses Klima führt dazu, dass vor Entscheidungen immer weniger gefragt wird: "Was nutzten sie der Sache oder dem Unternehmen?", sondern vielmehr: "Welche Konsequenzen ergeben sich für mich persönlich?" In diesem Kontext mutieren Teams zur Ausrede für Verzögerung und Verschleppung von Entscheidungen.

Die Lösung: gefordert sind die Unternehmens- und Bereichsleitungen, entscheidungsfördernde Freiräume und Risikokorridore zu schaffen. Die Instrumente hierfür sind bekannt – man muss sich für ihren Einsatz nur entscheiden.

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