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In Praxen und klinischen Einrichtungen ist die Problematik um den richtigen Umgang mit Abfällen besonders heikel. Dr. Helmut Katschnig, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, hat eine Methode entwickelt, um medizinische Abfälle sicher zu entsorgen. Das Verfahren, das auf spezieller und zertifizierter Mikrowellentechnologie basiert, wendet er auch in seiner Praxis an – dort ist seit 28 Jahren und rund 300.000 durchgeführten Dialysebehandlungen keine einzige Cross-Infektion mit Hepatitis aufgetreten.

Herr Dr. Katschnig, die jüngsten Vorfälle in den Krankenhäusern haben den Ruf deutscher Kliniken stark angegriffen. Wie kann ein gezieltes Abfallmanagement die Gesamthygiene im Krankenhaus verbessern?

Der richtige Umgang mit medizinischen Abfällen ist ein wesentlicher Teilaspekt der innerbetrieblichen Hygiene. Wichtig dabei ist bereits deren Einstufung: Da Blut und Ausscheidungen immer hochinfektiös sein können, betrachte ich generell alle Abfälle, die mit Blut, Blutprodukten, Exkreten sowie Sekreten behaftet sind, als potentiell infektiös. Die Gefährlichkeit definiert sich ja nicht über die Menge des Abfalls, sondern ausschließlich über die Zusammensetzung. Daher ist es wichtig, dass die allgemeinen Hygieneregeln adäquat eingehalten werden.

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Es passiert leicht, dass es bei pflegerischen Maßnahmen, bei Manipulation mit Blut und Blutprodukten oder etwa zerrissenen Abfallsäcken zu einer Kontamination der Hände und des Bodens kommen kann, so dass Krankheitserreger auf andere Patienten und das Personal übertragen werden. Die Anzahl der nosokomialen Infektionen hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Nach einhelliger Meinung der Hygieniker könnten mehr als 30 Prozent dieser Infektionen durch verbesserte Hygiene vermieden werden. Dadurch könnten nicht nur Leben gerettet, sondern auch Kosten gespart werden.

In Ihrer Praxis gab es nach 300.000 Dialysebehandlungen keine einzige Cross-Infektion. Wie sieht ein erfolgreiches Abfallmanagement bei Ihnen aus?

Der Schlüssel zu einer ungefährdeten Patientenversorgung und zur Vermeidung von Infektionen beim Personal liegt in der maximal sicheren Manipulation sämtlicher kontaminierter Materialien. Meiner Meinung nach ist es essentiell, dass sich alle Mitarbeiter gemeinsam anstrengen und Hygienemaßnahmen sozusagen bis zum Überdruss einhalten. Seit Krankheitserreger auftreten, die gegen alle am Markt verfügbaren Antibiotika resistent sind, wie MRSA, VRE, multiresistente Tuberkuloseerreger und NDM-1, hat sich dieser Anspruch an mein Personal noch verschärft. Auch gegen Viruserkrankungen wie Schweine- und Vogelgrippe, SARS und HIV gibt es ja kaum wirksame Gegenmittel. Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, ist die Vorbeugung die einzige Waffe.


Was meinen Sie genau damit? Vermeiden kann man Abfälle ja kaum.

Eine sehr wirksame Methode ist, das Risiko bereits an der Quelle zu begrenzen. Vor mehreren Jahren habe ich daher ein Hygiene- und Infektionsvermeidungssystem entwickelt, das auch in meiner Praxis zum Einsatz kommt. Es basiert auf zwei Prinzipien: der Non-Kontaminations-Strategie sowie der Quellenbegrenzung des Infektionsrisikos. Demnach wird Kontamination direkt am Entstehungsort verhindert, so dass Infektionen nicht übertragen werden können. Dazu werden im ersten Schritt alle potentiell infektiösen Abfälle in stichfesten, wieder verwendbaren Containern gesammelt. Die gefüllten Behälter kommen anschließend in ein so genanntes Medister-Gerät, in dem der Abfall durch ein umweltschonendes Mikrowellenverfahren desinfiziert wird. Der so behandelte Abfall kann dann lokal und kostengünstig entsorgt werden – ähnlich wie Hausmüll, denn er unterliegt nicht mehr der Europäischen Gefahrenguttransportverordnung ADR.

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