„Bilder erleben in der Medizin derzeit eine Revolution“, erklärt Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen, Geschäftsführer der MeVis-Gruppe in Bremen. „Durch die Digitalisierung stehen uns ganz neue Informationen zur Verfügung, die der Mensch mit bloßem Auge nicht mehr erkennen kann.“

Deshalb entwickelt die MeVis-Gruppe Software, die genau diese versteckten Daten für die Ärzte sichtbar macht. Die Programme helfen den Medizinern zum Beispiel bei der Früherkennung von Brustkrebs oder bei der Operation von Tumoren im Gehirn, in der Leber, der Lunge oder in anderen Organen.

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Auch die Beurteilung von Herz- und Gefäßerkrankungen, von Multipler Sklerose oder Alzheimer wird durch die MeVis-Produkte erheblich erleichtert. „Wir sind davon überzeugt, dass diese neuen Methoden die Diagnose und die Therapie solcher Erkrankungen erheblich verbessern und diese echte Wirkung für die Kranken ist unsere größte Motivation“, so Heinz-Otto Peitgen.

Die MeVis-Gruppe arbeitet eng mit international führenden Medizintechnik-Herstellern zusammen und kooperiert mit rund 100 Kliniken in der ganzen Welt. „Es gibt bei vielen Erkrankungen große nationale Unterschiede, die wir bei der Auswertung der Daten berücksichtigen müssen“, erläutert Heinz-Otto Peitgen. „Beispielsweise sind Leberkarzinome in den westlichen Ländern meist metastasierende Erkrankungen.

In Asien dagegen sind die sogenannten primären Leberkarzinome besonders häufig.“ Die innovative Software wird von einem Team aus Medizinern, Informatikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern entwickelt. Dieser neuartige, fächerübergreifende Forschungsansatz ist die große Stärke der MeVis-Gruppe. „Echte Innovationen entstehen heute nicht mehr innerhalb der einzelnen Fachrichtungen, sondern durch den Austausch zwischen den einzelnen Disziplinen“, erklärt Heinz-Otto Peitgen. „Deshalb ist unsere Arbeit bewusst in solchen übergreifenden Strukturen organisiert.“

Entstanden ist dieser innovative Ansatz durch einen Zufall. Heinz-Otto Peitgen lehrte Anfang der 90er-Jahre als Mathematikprofessor in Deutschland und den USA.

Nach einem seiner damaligen Vorträge über Chaostheorie diskutierte er mit einem Radiologen und einem Krebsforscher aus dem Publikum über medizinische Fragen. „Ich war sofort fasziniert“, erzählt der Unternehmer. „Mir wurde schnell klar, dass man zur Lösung der Probleme aus der disziplinären Ausrichtung der Forschung heraus muss.“ 1995 gründete der Wissenschaftler dann MeVis Research. „Die innere Freiheit, diesen Schritt zu gehen, habe ich wahrscheinlich von den Amerikanern übernommen“, meint Heinz-Otto Peitgen, der rund 40 Prozent seiner Zeit in den USA verbringt.

Inzwischen beschäftigt die MeVis-Gruppe rund 120 Mitarbeiter und drei MeVis-Produkte sind Weltmarktführer in ihrem jeweiligen Segment. „Unser Erfolg kommt zum Teil auch daher, dass wir in Deutschland angesiedelt sind. Zwar ist die Begeisterung für innovative Projekte in den USA oft größer als bei uns. Die faktische Umsetzung unseres Konzeptes war aber in Deutschland einfacher, denn amerikanische Universitäten achten beispielsweise genau auf die Sicherung ihrer Patentrechte“, erklärt der Unternehmer. Das zukunftsweisende, überzeugende Konzept und die Erfolge des Unternehmens brachten der MeVis-Gruppe eine Auszeichnung für den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Visionär ein.
 


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