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Professor Dr. med. Markus M. Lerch, Kongresspräsident der DGVS und und Dr. med. Albin Lütke, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS, plädierten etwa dafür, dass wissenschaftlich gut belegte Qualitätsindikatoren nicht nur in der ambulanten Versorgung, sondern auch für Krankenhäuser verbindlich gelten sollten. Als Beispiel nannten sie die Darmspiegelung zur Vorsorge von Darmkrebs. So zeigen Studien, dass die Rate der entdeckten Krebsvorstufen mit der Erfahrung des untersuchenden Arztes, aber beispielsweise auch mit der Zeit, die er oder sie sich für die Untersuchung nimmt, steigt. „Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich klare Qualitätskriterien und Mindestuntersuchungszahlen, die in der ambulanten Versorgung von den Kassenärztlichen Vereinigungen eingefordert und kontrolliert werden“, so Dr. Lütke. „Für Krankenhäuser hingegen gelten keine verbindlichen Qualitätsindikatoren für die diagnostische Darmspiegelung, obwohl die Zeiterfassung und die Adenomdetektionsrate in allen Leitlinien der DGVS gefordert werden“, kritisierte Professor Lerch. Auf europäischer Ebene werden für seltene, komplikationsbehaftete endoskopische Eingriffe, etwa die Behandlung eines Barrett-Oesophagus mit einer Länge von mehr als 10 cm, bereits die Durchführung an spezialisierten Zentren und jährliche Mindestmengen gefordert.

Zu wenig Erfahrung im OP-Saal kann dramatische Folgen haben

Wenn Menschen schwer erkranken, beispielsweise an Krebs, benötigen sie oft komplexe Therapien. „Es ist wissenschaftlich belegt, dass Patienten enorm profitieren, wenn Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen bei der Behandlung komplexer Erkrankungen kooperieren“, sagte Lerch. Deshalb wurden durch die Deutsche Krebsgesellschaft interdisziplinäre Organkrebszentren ins Leben gerufen, die strenge Qualitätskriterien, einschließlich der vorgegeben Mindestmengen für Operationen, erfüllen. Doch noch immer wird ein großer Teil der Patienten außerhalb dieser spezialisierten Zentren behandelt. Welche dramatischen Folgen dies für Patienten haben kann, zeigt das Beispiel Bauchspeicheldrüsenkrebs: Vergleicht man jene Kliniken mit der meisten Erfahrung und jene mit den wenigsten Operationen, so halbiert sich die Überlebenschance des Patienten nahezu. „Komplexe Eingriffe und Prozeduren, wie Operationen an der Bauchspeicheldrüse, sollten nur noch in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Das Konzept von ‚jeder kann alles, jeder darf alles und jeder bietet alles an‘ geht zu Lasten der Patienten!", warnte Lerch.

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