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In Deutschland hat dieses Beispiel noch nicht Schule gemacht. Dennoch beobachtet die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie die Entwicklung nicht nur unter Aspekten des Datenschutzes mit Sorge. Sie befürwortet zwar die zeitnahe Information auch unter Nutzung neuer Medien. „Es gehört längst zum Standard, dass die Angehörigen unmittelbar nach dem Eingriff vom Arzt informiert werden“, sagt DGCH-Generalsekretär Professor Dr. med. Hartwig Bauer, „doch während der Operation muss sich das Personal ausschließlich auf den Patienten konzentrieren.“ Zudem sollen die Beteiligten während eines Eingriffs möglichst wenig reden. Einerseits um sich nicht gegenseitig abzulenken aber auch, um das Infektionsrisiko für den Patienten zu minimieren. „Die Sicherheit des Patienten hat oberste Priorität“, betont Professor Bauer. Für das Twittern aus dem OP müsste der Chirurg fortwährend Kurzkommentare über den Verlauf abgeben, die dann weitergeleitet werden.

Darüber hinaus verweist er auf ein weiteres grundsätzliches Problem der Nachrichten-Übertragungen aus dem OP: Sollten bei einem Eingriff plötzlich Komplikationen auftreten, würde sowohl eine entsprechende Mitteilung als auch ein plötzlicher Stopp des Informationsflusses die Angehörigen eher beunruhigen und möglicherweise unnötig aufregen anstatt das Gegenteil zu bewirken, gibt Professor Bauer zu bedenken. Ob Angehörige tatsächlich über jedes Detail einer Operation unterrichtet werden wollen, hält der Experte für fraglich: Ich bezweifle, dass Kommentare wie „Der Tumor sitzt auf dem Harnleiter auf“ oder „Die Milz muss wegen einer schwer zu stillenden Blutung mit entfernt werden“ für Außenstehende hilfreich sind.

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